Abschied.

Vor wenigen Wochen ist unser Mitglied Rüdiger Derenthal verstorben. Er wird in Hamburg beigesetzt und daher können nicht alle Vereinsmitglieder an der Beerdigung teilnehmen. Innerhalb des Vorstandes wurde dann beschlossen, dass es eine kleine Gedenkfeier im Vereinsheim geben soll, so dass alle die Chance haben sich zu verabschieden und sich im Kreise der ESC Familie an einen besonderen Menschen zu erinnern. Für alle die nicht dabei sein konnten gibt es hier den Nachruf unseres Vorsitzenden und eines kleines Video, welches das Vereinsleben von Rüdiger aufzeigen soll.

Ich wurde gebeten, dass ich als Vorsitzender ein paar Worte sage und ihr könnt mir glauben, dass mir das nicht leichtfällt. Zum einen ist das wirklich eine Ehre, wenn man über ein so verdientes Mitglied sprechen darf, aber irgendwie ist es auch eine Bürde.

 

Ich habe schon viel gesprochen, auf unterschiedlichen Veranstaltungen. Hochzeiten, Geburtstage, Versammlungen, aber so ein Tag wie heute, das hatte ich noch nicht und ich habe viel nachgedacht und lange überlegt, wie man es macht.

  • Wie findet man die richtigen Worte?
  • Wie erzählt man etwas über eine besondere, aber leider verstorbene Person?
  • Wie verzichtet man auf dumme Witze, aber wird nicht zu traurig, um daran zu erinnern, dass es um eine zumeist fröhliche Person geht
  • Wie sagt man genug, um einen Mann zu gedenken, der sich für uns alle aufgeopfert hat, aber nicht zu viel, um zu übertreiben

Übertreiben meine ich nicht negativ, denn wer Rüdiger regelmäßig erlebt hat, der weiß, dass er gar nicht gerne im Mittelpunkt stand. Er hat geholfen, wo er konnte, aber es nie raushängen lassen.

 

Ich habe für den heutigen Tag ein paar Bilder gesucht, um zu zeigen, was er alles geleistet hat, aber das war gar nicht so einfach, denn er war oft nur im Hintergrund, aber er war da. Er war immer da. Er hatte alles im Blick und wusste über alles Bescheid.

 

Egal, ob Feierlichkeiten, Turniere, kleinere und größere Probleme oder die alltäglichen Arbeiten auf unserer Sportanlage. Er war zig Jahre Mitglied in unserem Verein, eine Spielberechtigung hatte er seit 1987 – 36 Jahre. Mindestens. Also mein ganzes Leben.

 

Man muss sich mal vor Augen halten, was das für ein Zeitraum ist, den Rüdiger hier verbracht hat, was in dieser Zeit auf der Welt alles passiert ist, aber auch was in unserem Verein passiert ist und was er alles mit euch und seinen Wegbegleitern erlebt, durchgemacht und gefeiert hat.

 

Spieler, fast 20 Jahre im Vorstand, Gönner und gute Seele, denn ihm ging es immer um das Vereinsinteresse. Ihm ging es um die Kleinigkeiten, wie die Tatsache, dass wir das heute hier in diesen Räumlichkeiten machen können. Er sagte „Ein Vereinsheim braucht Leben, dann hat man Vereinsleben“ und ich bin froh, dass er in den letzten Jahren erleben konnte, dass er recht hatte. Er hat das Teil hier mit aufgebaut. Er hat unseren Verein mit aufgebaut und er hatte so oft recht.

 

Das habe ich in der Zeit letzten immer wieder gemerkt, denn es war ihm wichtig, dass die Anlage gepflegt ist und alles funktioniert, denn das ist das Aushängeschild des Vereins. Er war und wird immer ein Aushängeschild sein. Wir werden das alles niemals vergessen.

 

Meine Familie kannte Rüdiger schon ein Leben lang. Meine Mutter, meine Onkel, mein Bruder und alle waren geschockt. Am Tag vor seinem Unfall war ich mit meinem Bruder beim MSV Duisburg und kurioserweise hat er mich da gefragt, warum Rüdiger eigentlich „Mac“ genannt wird. So richtig erklären konnte ich es nicht.

 

Natürlich kam der Spitzname „Mac“ wahrscheinlich nicht von ungefähr, aber das ist egal, denn das war vor meiner Zeit und das, was er in meiner Zeit geleistet hat ist so viel mehr Wert, denn ich wusste, dass ich in Rüdiger jemanden hinter mir habe, den wir immer anrufen können, wenn wir einen Rat oder tatkräftige Hilfe brauchten.

 

Wenn ich daran denke, wie er beim Preußen Cup noch die Getränke geschleppt hat, wie er sich mit uns über die Aufstiege gefreut hat und wie stolz er war, dass der aktuelle Vorstand den Verein irgendwie auch in seinem Sinne weiterführt, denn er wusste, wir sind wie er. Wir sind Preußen durch und durch.

 

Das hat er uns vorgelebt, denn auch ohne großes Aufsehen war er so immens wichtig für uns, dass eigentlich schade ist, dass er damit gar nicht sich selbst feiern wollte, sondern immer im Blick hatte, dass sich der Verein feiern kann und daher haben wir etwas kurzes vorbereitet und bitten euch kurz innezuhalten und an einen wunderbaren Menschen zu denken.

 

Rüdiger war ein besonderes Mitglied.

 

Bis zuletzt ist er oft morgens am Platz gewesen und hat bei Reparaturen geholfen. Er hat sich hier unter anderem mit Manni Grawe getroffen und einfach dafür gesorgt, dass es läuft.

 

Die beiden hatten auch noch ein kleines Projekt, was dann nicht mehr gemeinsam fortgeführt werden konnte, weil Rüdiger aus unserer Mitte gerissen wurde.

 

Plötzlich. Unerwartet und vielleicht sogar unfair, aber auch hier würde er irgendeinen Spruch auf den Lippen haben, um zu zeigen: Es ist nicht so schlimm. Gemeinsam schaffen wir das.

 

Rüdiger hat mich nicht nur immer wieder mit Bildern aus der Vereinsgeschichte versorgt, sondern hat auch dafür gesorgt, dass ich gelernt habe, was es heißt ein Preuße zu sein und worauf es ankommt, wenn man im Vorstand arbeitet: Immer den Verein im Blick haben und immer gucken, dass es den Menschen, die hier ein zuhause haben, die sich hier aufhalten und ein Teil unserer Vereinsfamilie sind wohlfühlen, dass sie sich einbringen können und dass wir alle an einem Strang ziehen.

Und genau das ist es, was ich am Ende sagen möchte.

Wir alle müssen mehr sein, wie Rüdiger.

 

Nicht nur die, die heute hier sind, sondern wirklich alle.

  • Hilfsbereit und Bescheiden
  • Loyal und Zuverlässig
  • Offen und einfach ein guter Mensch

Ein Mensch, der jetzt nicht mehr unter uns ist, zumindest nicht mehr sichtbar, aber ich kann euch und ihm eines versprechen: Vergessen werden wir ihn nie und er wird immer seinen Platz beim ESC Preußen haben.

Vielen Dank.